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Wie viel Text widmeten deutsche Medien Marvin Minsky?

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Am Sonntag ist Marvin Minsky gestorben. Seine Ideen zu künstlichen neuronalen Netzen und Intelligenz als etwas aus dem Zusammenspiel sehr vieler letztlich sehr einfacher Agenten und Mechanismen Entstehendem dürften die Entwicklung Künstlicher Intelligenz bis heute prägen. Ein inspirierender Denker. Nun ist er tot und ich bin sehr froh, dass es das World Wide Web gibt und ich Englisch lesen und so die Vielfalt genießen und Nachrufe auf und Texte über Minksy wie diese lesen kann. Ich bin traurig, wie wenig ich in einigen deutschsprachigen Medien über ihn lesen kann. Um genau zu sein: in einigen gar nichts.

https://docs.google.com/spreadsheets/d/1cMIKhqxeg7wJy89B9-gnvmgmWsWKlo03oOG_pBC6dQE/edit?usp=sharing

Foto: Andreas Schepers, CC BY-SA 2.0

Fünf Faustregeln für nachhaltige digitale Dienste - und ein großartiges Beispiel namens Known

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Ich bin begeistert von der schlanken Blogging-Software Known. Man kann damit kurze und lange Texte, Fotos und Zitate im Web veröffentlichen. Das Besondere an Known ist, dass die Software als Basis gedacht ist, um die Datensilos sozialer Netzwerke wie Twitter oder Facebook zu befüllen (so sieht meine Known-Instanz aus).

Man veröffentlicht also einen kurzen Text im eigenen Known-Blog und kann den von dort automatisch auch in den eigenen Profilen bei Twitter, Facebook und so weiter veröffentlichen. Das Prinzip heißt POSSE - Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere.

Known importiert zudem die Reaktionen und Diskussionen aus diesen Netzwerken. Der Sinn der Sache: Die Datensilos bekommen eine Kopie, man behält jedoch den Ursprung der eigenen öffentlichen Rede in einer eigenen Datenbank, auf eigener Infrastruktur - außerhalb der Datensilos. Das hat einige Vorteile:

  • Menschen, die nicht geschlossene Netzwerke nutzen wollen (oder nicht dasselbe, das man selbst bevorzugt), können dennoch im offenen Web dem eigenen Gedankenstrom verfolgen.
  • Known unterstützt Standards wie RSS - die grundlegende Infrastruktur des dezentralen, offenen Netzes.
  • Man erreicht Menschen, die unterschiedliche Datensilos nutzen und bindet Reaktionen ein.

Nebenbei stärkt jeder Known-Nutzer das dezentrale, offene Netz und digitale Nachhaltigkeit.

Known - der Dienst ist in der Beta-Phase - erfüllt meine Faustregeln für digitale Nachhaltigkeit. Die ersten vier habe ich von Rafael Laguna aus dieser großartigen Rede.

https://youtu.be/sQAs91VWgos?t=1m43s

1. Der Dienst ist bei mehreren Anbietern erhältlich.

Man kann Known gegen Bezahlungen von den Entwicklern hosten lassen, aber auch bei einem Anbieter seiner Wahl installieren.

2. Beim Wechsel von einem Anbieter zum anderen müssen Daten transportierbar sein.

Die Exportfunktion von Known packt alle Posts, alle Uploads, alle Nutzerdetails ein und lässt sich dann in einer anderen Known-Installationen bei einem anderen Anbieter wieder einspielen.

3. Die Software muss zum Selberhosten verfügbar sein, damit man den Dienst auf eigener Infrastruktur betreiben kann.

Wer will, kann Known selbst hosten. Ist schnell gemacht und funktioniert auch bei Shared Hosting Anbietern wie Uberspace. Hier meine Installation.

4. Die Software, die den Dienst implementiert, sollte open source sein.

Na klar.

5. Der Dienst muss einen nachvollziehbaren Plan verfolgen, um die Fortentwicklung zu sichern.

Known ist Open Source - das ist eine Absicherung für den schlimmsten Fall, sollte das Geschäftsmodell scheitern. Die Entwickler haben ein Geschäftsmodell: Bezahltes Hosting der Pro-Version, eine bezahlte Eigenrntwicklung namens Convoy, die bei selbstgehosteten Installationen die API-Fummelei an den Datensilos abnimmt, Auftragsarbeiten im Bildungssektor.

Fazit

Nachhaltige digitale Dienste sind der Nährboden eines dezentralen, vielfältigen Webs. s gibt sie, trotz der neuen Blüte der walled gardens im Web. Known zeigt: Plausible Geschäftsmodelle sind denkbar und wenn mehr Menschen mitmachen auch möglich. Man muss die Vorteile und die Nutzer von Plattformen wie Twitter oder Medium nicht aufgeben, um ein freies, dezentrales Netz zu stützen — Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere, zum Beispiel mit Known.

Illustration: Telephones and Telegraphs, 1902, Public Domain

Wie ein deutsches Start-up mit Wagniskapital die Marktlücke für lokalen Digitaljournalismus schließen will

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Ein Start-up, das in Deutschland bei Investoren Kapital für digitalen Lokaljournalismus eingeworben hat? Gibt es, in Mainz. Seit Juli 2015 ist dort das rein digitale Angebot Merkurist online. Mir sind an der Seite vier Dinge aufgefallen:

1. Die Gestaltung ist slick.

Sieht eher nach einem guten US-Techblog aus als nach einem Lokalmedium: gekonnt, elegant, durchdacht und funktional. Die Anmeldung zum Beispiel ist in weniger als einer Minute erledigt. Gut.

2. Merkurist hat gute Ideen, um Leser als Quellen einzubinden.

Mit den sogenannten Snips können Menschen schnell Themen anstoßen, das sie für aktuell halten und das Journalisten oder andere Leser weitererzählen. Zum Beispiel: Hubschraubereinsatz! Daraus werden dann auch Artikel. Ich kenne nur wenige Angebote im Digitaljournalismus, die solche Werkzeuge für die Interaktion mit Lesern bieten. Lokalkompass ist eines der wenigen Beispiele. Dabei dürften ein nutzerfreundliches CMS und slicke Technik die Voraussetungen dafür sein, Menschen vor Ort zu aktivieren.

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3. Merkurist misst Leserinteresse über Themenabos.

Die Idee ist richtig gut. Per Mausklick auf den Schalter “O-Ha” in einem Artikel oder Snip abonnieren Leser Updates zu diesem Thema. So eine explizite Äußerung hat mehr Aussagekraft über das Interesse als reine Abrufzahlen. Diese Signale nutzt das Merkurist auch, um das Interesse an bestimmten Artikeln und Themen zu beurteilen. Wenn ein Snip viel Aufmerksamkeit bekommt, wird ein Journalist auf die Recherche angesetzt. Und die Themenabos scheinen auch die Präsentation auf den Seiten zu beeinflussen - je mehr O-Has, desto höher die Chance auf prominente Platzierung.

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4. Da ist Werbung von lokalen Unternehmen auf der Seite!

Banner und Content Marketing, kein Geblinke von den Resterampen der Vermarkter.

Das Neuste

Einen guten Überblick der Inhalte der Mainzer Ausgabe gibt die Top Ten der meistgelesenen Artikel des Jahres 2015 - der Protest des Staatstheaters gegen eine AfD-Kundgebung, Blaulicht, Events.

Warum sieht das so gut aus? Das Content Management System von Merkurist ist eine Eigenentwicklung. Man merkt dem Angebot an, dass zu den Gründern ein Informatiker und ein Betriebswirt zählen. Manuel Conrad, Geschäftsführer der Mercurious GmbH (dem Betreiber von Merkurist) erzählt, dass er und die anderen Mitgründer fast eineinhalb Jahre lang die Plattform entwickelt haben: »Tatsächlich ist unsere Plattform mitsamt des Konzepts und der Technologien universell für jede Art von Content einsetzbar. Der Fokus auf den Lokaljournalismus hat sich eher aus der aktuellen Marktsituation und dem korrespondierenden Business Plan ergeben.«

Das langfristige Ziel dieses Plans erscheint mir ebenso logisch wie größenwahnsinnig: Auf der Website des Merkurist zeigt das Unternehmen unter »Vision« eine Karte der gut 200 Städte und Regionen in Deutschland, wo nur eine tägliche Lokalzeitung erscheint. Da sehen die Merkurist-Gründer eine Marktlücke. Conrad: »Oftmals gibt es in vielen Regionen nur noch einen regionalen Player, der wirklich ernstzunehmenden Journalismus anbietet und diese sind oftmals digital nicht auf der Höhe und versuchen mit der Brechstange eine Pay Wall einzuführen.«

Fragen und Antworten zum Geschäftsmodell

Hier beantwortet Mercurious-Geschäftsführer Manuel Conrad meine Fragen zu Geschäftsmodell, Finanzierung und Zielen seiner Firma:

Was ist Merkurist und was ist das Besondere daran?

Manuel Conrad: Merkurist ist in seiner Art und Weise bisher einzigartig auf der Welt und unterscheidet sich in zwei wesentlichen Merkmalen von klassischen journalistischen Plattformen.

Zum einen versuchen wir, den Leser zu aktivieren und bestmöglich in den journalistischen Prozess miteinzubeziehen im Sinne eines Social Journalisms. Jeder Leser hat die Möglichkeit lokale Themen, die er interessant und wichtig findet, bei Merkurist anzustoßen sowie Material (Bilder, Videos, Fragen, Meinungen) zuzuliefern. Und dann gibt es bei uns den o-ha! Button: Wenn ein Thema auch bei anderen Lesern genügend Interesse hervorruft und sie das durch einen Klick auf den o-ha! Button kundtun, wird es durch einen professionellen Journalisten in einem längeren Artikel fundiert ausgearbeitet. Wir versuchen also, dort Journalismus zu produzieren, wo wir eine kritische Masse an interessierten Leser messen.

Eigene Software, um journalistische Prozesse zu automatisieren

Der zweite große Unterschied sind unsere selbst-entwickelten Technologien. Hier kann ich mittlerweile sicher behaupten, dass wir allen großen deutschen Verlagen mehrere Schritte voraus sind. Wir tracken das Leserverhalten sehr dezidiert und können darüber die Qualität von Artikeln, die aktuelle Relevanz und den Erfolg von journalistischen Beiträgen automatisiert bestimmen und prognostizieren. Wir nutzen diese Technologien überwiegend dazu, um journalistische Prozesse zu automatisieren und Inhalte besser für die Leser aufzubereiten. Wir werkeln immer weiter an unseren Technologien. Vor kurzem haben wir zum Beispiel ein Tool entwickelt, mit dem man Schwachstellen in Texten auf Basis des Leserverhaltens sehr genau identifizieren kann. Oder ein Tool, dass aus verschiedenen Überschriften und Bildern für einen Text, die beste Kombination automatisch heraussucht. Mit unseren Technologien haben wir auch ganz neue Möglichkeiten, neuartige Werbeprodukte zu entwickeln, die wir regionalen Unternehmen anbieten können.

Wie sieht die publizistische Bilanz von Merkurist heute aus?

Manuel Conrad: Überwiegend kriegen wir ein sehr positives Feedback von Lesern und lokalen Stakeholdern (Institutionen, Unternehmen, Politiker). Unsere Qualität hat sich seit unserem Start im Juli jeden Monat spürbar verbessert und von Tag zu Tag werden wir relevanter für die Mainzer Bürger. Manchmal sind wir noch ein bisschen langsamer als die lokale Verlagskonkurrenz und können in der Quantität der täglich publizierten Artikel nicht mithalten. Wir konzentrieren uns derzeit auf rund 6 neue Artikel pro Tag und 12 Snips und sind der Meinung, damit ein ausreichendes Angebot für die lokal-interessierten Leser zu schaffen. Oftmals profilieren wir uns mit eigenen Themen schon ganz gut. Hier geht unser journalistisches Konzept mit der direkten Einbindung der Leser sehr gut auf. Es entstehen spannende Themen, die nah an den Lesern sind, und die es normalerweise nie in die Redaktionskonferenz der lokalen Zeitung schaffen würden. Hier stellen wir mittlerweile fest, dass unsere Konkurrenz ab und an bei uns abschreibt. Auch der o-ha!-Button kommt sehr gut bei den Lesern an und ist zu einem tollen Alleinstellungsmerkmal für uns geworden. Nur kommentiert werden unsere Artikel und Snips noch zu selten. Hier grast Facebook oftmals viel von der Interaktion der Leser schon ab, das versuchen wir noch zu verbessern. Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit unserer Bilanz nach sechs Monaten. Noch ein paar konkrete Zahlen dazu: Wir hatten im Dezember über 180.000 Visits, wir haben rund 2.000 registrierte Leser und auf Facebook haben wir über 12.000 Fans.

40.000 Euro Werbeumsatz im ersten Halbjahr in Mainz

Und wie fällt die geschäftliche Bilanz des Merkurist bislang aus (Umsatz/Gewinn-Verlust)?

Manuel Conrad: Noch schreiben wir Verluste, das haben wir auch nicht anders erwartet und wird sich bei unseren Wachstumsplänen in den nächsten Jahren vermutlich erstmal nicht ändern. Generell ist es unser Ziel, mit einer Stadt den operativen Break-Even 2 Jahre nach Launch zu erreichen. In Mainz haben wir in den ersten 6 Monaten einen Umsatz von 40 TEUR realisiert und haben weitere 60 TEUR in der Auftrags-Pipeline. Das reicht natürlich noch nicht, um unser Modell nachhaltig zu finanzieren, unsere Investoren und ich sind aber sehr optimistisch gestimmt, dass wir die Umsätze weiter ausbauen.

Was sind die Herausforderungen dabei, lokal Onlinewerbung zu verkaufen? Und was macht Merkurist hier anders, um erfolgreich zu sein?

Manuel Conrad: Es gibt eine Reihe an Vor- und Nachteilen im lokalen Werbemarkt. Zunächst zu den Vorteilen: Man findet als Startup leichter Zugang zu den Entscheidungsträgern lokaler Unternehmen.

Vorteil lokaler Digitalwerbung: höhere TKP-Preise

Die Margen und TKP-Preise, die man realisieren kann, sind sehr viel höher als im nationalen Markt, der durch große Mediaagenturen dominiert wird, und die den Großteil der Marge abgreifen. Durch einen Direktvertrieb kann man lokale Kunden leichter und langfristiger an sich binden.

Die Nachteile: Umsätze, die man mit einem regionalen Kunden machen kann, sind sehr viel geringer; der Abwicklungsaufwand ist sehr viel höher, weil man die Kunden zusätzlich unterstützen muss; die Kunden sind sehr vorsichtig und skeptisch zu Beginn; Es kostet einfach Zeit, Vertrauen und Relevanz bei den Kunden aufzubauen.

Tatsächlich ist der Vertrieb unserer Werbeprodukte die größte Herausforderung und hier wird sich mittelfristig entscheiden, wie erfolgreich sich Merkurist entwickeln kann. Wir nutzen auch hier unsere Technologien, um attraktivere Werbeprodukte anbieten zu können als die Konkurrenz. Hierzu gehört zum Beispiel das Feature, dass wir eine Werbeimpression nur dann abrechnen, wenn Sie mindestens 2 Sekunden im Sichtfeld des Lesers war. Der Werbende weiß also ganz genau, wie viele Sichtkontakte er tatsächlich für sein Geld erhält. Gesponserte Artikel rechnen wir zudem nach dem gelesenen %-Anteil ab. Nach meinen Informationen sind solche Abrechnungsmodelles bisher einzigartig in Deutschland. Im einzelnen macht es auch hier am meisten Sinn, unsere Werbeprodukte konkret am Beispiel zu zeigen, dann wird sehr viel schneller deutlich wo die Unterschiede / Vorteile liegen. Melde Dich also hier, wenn Du Interesse hast, mehr über unsere Werbeprodukte zu erfahren.

Wie viele Menschen verdienen heute mit Merkurist ihren Lebensunterhalt? Wie viele sollen es Ende 2016 sein?

Manuel Conrad: Zur Zeit arbeiten 10 feste Mitarbeiter und 6 Studenten an Merkurist mit. Innerhalb der ersten 6 Monate konnten wir uns zudem einen Pool an über 30 freien Autoren aufbauen. Mit der geplanten Expansion in weitere Städte werden natürlich weitere Mitarbeiter. Wenn die Expansion so wie geplant läuft, sollten wir insgesamt auf rund 30 Mitarbeiter kommen.

Wenn du dir Merkurist-Leser vorstellst: Wie sieht er, wie sieht sie aus?

Manuel Conrad: Der Merkurist-Leser ist digital-affin und interessiert sich für Nachrichten / Themen aus seiner Stadt. That’s it. Viel genauer wollen wir unsere Zielgruppe gar nicht definieren, schon gar nicht aus thematischen Gründen.

Die treuesten Leser sind zwischen 26 und 54 Jahre alt

Wir wollen einem breiten Publikum ein breites lokaljournalistisches Angebot liefern. Individuelle Geschmäcker differenzierter Zielgruppen können wir über unseren Personalisierungs-Algorithmus gerecht werden.

Wir haben eine Marktstudie gemacht und hier festgestellt, dass unsere treusten Leser derzeit zwischen 26 und 45 Jahre alt sind. Erst bei den über 50 Jährigen geht unsere Bekanntheit merklich zurück und bei den Über-65-jährigen sind wir gänzlich unbekannt. Die hängen an ihrer Tageszeitung und hier wird es sehr schwierig sein, diese Altersgruppe von einem neuartigen Konzept zu überzeugen.

Was sollten mehr Menschen wissen?

Manuel Conrad: Ich vertrete hier eine andere Meinung als die klassischen Vollblut-Journalisten, die in der Aufbereitung und Kuratierung von Themen oftmals einen gesellschaftlichen Auftrag sehen, nach dem Motto, wir entscheiden, was den Leser zu interessieren hat. Mit dem Internet sind die Anzahl der Möglichkeiten, mit denen die Menschen ihre Zeit verbringen können, rapide gestiegen. Es geht für mich also gar nicht um die Frage, „was sollten die Menschen wissen“, ich kann es schließlich nicht beeinflussen. Wir versuchen stattdessen die Menschen mit relevanten Inhalten anzusprechen und eine Beziehung mit Ihnen aufzubauen.

Wie ist der Plan für 2016 - was soll Merkursit publizistisch, was geschäftlich Ende des Jahres erreicht haben?

Manuel Conrad: Publizistisch wollen wir zu einer etablierten Marke für Lokaljournalismus im Rhein-Main Gebiet, in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt, werden. Wir wollen die Interaktion mit unseren Lesern weiter optimieren, weil hierin stecken ungeahnte Potentiale. Unsere Vertriebsstrukturen müssen wir weiter professionalisieren, dann steigen die Umsätze ganz automatisch. Umsatzmäßig wollen wir uns Ende 2016 in etwa verfünffachen.

Woher kommt das Startkapital?

Manuel Conrad: Wir sind mittlerweile in der dritten Runde durch Venture-Capital finanziert.

Kannst du mehr sagen dazu - wer investiert, in welchem Umfang?)

Es sind zwei Business Angels aus der IT-Branche. Den Namen möchte ich nicht nennen, sie haben aber ein rein unternehmerisches Interesse und halten sich inhaltlich komplett raus.

Bisher steckt ein mittlerer sechsstelliger Betrag in Merkurist

Zum Finanzierungsvolumen kann ich soviel sagen, dass die nächste Phase einen siebenstelligen Finanzbedarf benötigt. Bisher steckt ein mittlerer sechsstelliger Betrag in Merkurist. Wir sind jetzt gerade in der dritten Runde, um die Expansion in zwei weitere Städte zu finanzieren. Ist im Prinzip so gut wie sicher, wir überlegen, ob wir noch einen weiteren Externen mit ins Boot holen.

Lesetipp: Wo Wikipedia als Enzyklopädie versagt

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Meine EmpfehlungJohn Timmer, Wikipedia fails as an encyclopedia, to science’s detriment, Arstechnica.com

Darum: Die These des Autors ist diese: Selbst wenn alle Fakten eines Wikipedia-Artikels stimmen und selbst wenn alle Debatten in der Forschung über ein naturwissenschaftliches Thema dargestellt sind, kann der Artikel dennoch völlig ungeeignet für ein breites Publikum sein. Timmer argumentiert, dass viele Artikel, gerade zu naturwissenschaftlichen Themen, zu detailliert seien und zu viel Vorwissen voraussetzen. Es fehlt seiner Ansicht nach eine kurze, allgemeinverständliche Einführung für jeden. Artikel, denen das fehlt, sind letztlich wertlos fürs breite Publikum. Das mindere langfristig das Interesse der breiten Öffentlichkeit an Naturwissenschaft. Denn wer etwas verstehen will und das mit Hilfe eines Wikipedia-Artikels zum Thema als ersten Anlaufpunkt nicht schafft, gibt auf. So Timmer.

Das Nachfrageproblem des Lokaljournalismus im Netz in einer Statistik

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Was ist das Problem des Lokaljournalismus als Geschäftsmodell? Klar, die Auflagen sinken und die Werbeeinnahmen auch. Die Gründe dafür könnten neue Nutzungsgewohnheiten (digital statt gedruckt) und Werbemöglichkeiten sein. Die Aufmerksamkeit verschiebt sich auf Smartphones und ins Netz, die Geschäftsmodelle für Lokaljournalismus da sind noch nicht so weit. Ist das so, gibt es berechtigte Hoffnung: Wo genug Aufmerksamkeit ist, werden irgendwann Geschäftsmodelle folgen.
Allerdings ist auch eine pessimistische Erklärung für die Entwicklung im Lokaljournalismus denkbar: Das Interesse an digitalem Lokaljournalismus ist geringer als an gedruckten Lokalmedien.

Das ist eine Vermutung, Empirie kenne ich dazu nicht. Aber ich habe in den Nutzungsstatistiken einen Hinweis darauf gefunden, dass regionaler Journalismus in digitalen Medien weit weniger Aufmerksamkeit bindet als gedruckt.

Die Daten zur Nachfrage Lokaljournalismus Print vs. digital

Das Interesse von Menschen an Journalismus messen Verlage in allgemein anerkannten Statistiken für die Werbekunden. Für Printmedien sind das die Auflagenzahlen der IVW. Für Digitalmedien sind es die Nutzungsdaten der AGOF. Ich habe mir die aktuellen Zahlen aus beiden Statistiken genauer angeschaut: Wie verteilt sich die Aufmerksamkeit auf regionale und überregionale Medien, die Journalismus zum allgemeinen Zeitgeschehen bieten?

Das Ergebnis: Von der verkauften Gesamtauflage der 50 reichweitenstärksten Medien in der IVW fürs dritte Quartals entfällt knapp die Hälfte auf regionale Medien wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die Rheinische Post und andere.

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Bei digitalen Medien sieht das anders aus. Von der Summe der eindeutigen Besucher der 50 reichweitenstärksten journalistischen Angebote zum allgemeinen Zeitgeschehen in der AGOF-Statistik entfällt weniger als ein Drittel auf Regionalmedien (29 Prozent).

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Fazit: Ein Nachfrageproblem

Mein Fazit: Die Nutzungsstatistiken deuten darauf hin, dass digitaler Lokaljournalismus im Vergleich weit weniger Aufmerksamkeit bindet als lokale Printprodukte. Das dürfte die Hoffnung dämpfen, dass die digitalen Geschäftsmodelle für Lokaljournalismus folgen und funktionieren werden, weil genug Interesse an den Inhalten vorhanden ist.
Nicht beantwortet ist die Frage: Woran liegt das? Vielleicht fehlt den existierenden digitalen Lokalmedien etwas. Vielleicht würden Angebote mit einem anderen Ansatz anteilsmäßig so viel Aufmerksamkeit binden wie im Printgeschäft. Vielleicht ist auch das Interesse an lokalem Zeitgeschehen einfach geringer. Vielleicht ist das Interesse auch nur in bestimmten Altersgruppen geringer.

Wie auch immer: Es sieht so aus, dass die Herausforderungen beim digitalen Lokaljournalismus nicht nur der Vertrieb und das Geschäftsmodell sind, sondern auch der Inhalt.

Zur Methodik

Als Erstes habe ich die IVW-Auflagenzahlen für das dritte Quartals 2015 für Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Publikumszeitschriften heruntergeladen. Dann habe ich der Einfachheit halber die Titel anhand der Verkaufszahlen (da sind auch sonstige Verkäufe eingerechnet) gerankt. Ich habe alle Einträge zu Medien gestrichen, die nicht allgemeinen Journalismus zum Zeitgeschehen bieten. Gestrichen habe ich also zum Beispiel Fernsehmagazine wie „nur TV“ und Mitgliederzeitschriften wie „DAV Panorama“ oder „Vorwärts“. Zudem habe ich Anzeigengemeinschaften von Titeln gestrichen, die auch einzeln geführt werden. Ich habe also zum Beispiel den Titel „BusinessKombi“ gestrichen, da hier die Auflagen von auch einzeln geführten Medien wie Zeit, Handelsblatt und Tagesspiegel noch einmal gebündelt sind.
Aus der AGOF Digital Facts für den September 2015 habe ich die Unique User. Diese Daten sind mit den Auflagen von Printmedien vergleichbar: Ein Nutzer kann mehrfach vorkommen, ausgezählt wird nur die Intensität des Interesses (allerdings bei Printmedien an Abos und Kioskverkäufen, bei Digitalmedien an Aussagen in repräsentativen Umfragen und Nutzungsdaten). Bei all diesen Unterschieden halte ich die Daten für vergleichbar genug: Sie zeigen die Reichweite und damit das Interesse und bei beiden lässt sich der relative Erfolg eines Mediums in der Gruppe angeben - wie hoch ist der Anteil am gesamten Kuchen der 50 reichweitenstärksten Print- beziehungsweise Digitalmedien. Die AGOF-Daten habe ich um alle Titel bereinigt, die nicht journalistisch über das allgemeine Zeitgeschehen informieren.

Daten

Hier die Daten zum Herunterladen, hier als Tabelle bei Google Docs.

Nachfrage-Lokaljournalismus

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Beitragsbild: aus "Living London; its work and its play, its humour and and its pathos, its sights and its scenes", 1902, gemeinfrei

Apple-Reparatur: Von 127 auf 320 Euro in drei Klicks

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Mein iPhone hat nach Bodenkontakt Risse im Display. Nun versuche ich herauszufinden, wie viel der Austausch des Bildschirms bei Apple kostet. Kommt darauf an, wie weit man im Bestellprozess ist.

Die Preissteigerungen in drei Schritten, ohne Erklärung. Ich habe das Auftragsprozedere drei Mal durchgespielt und Ausführungen auf den Seiten gesucht - immer dasselbe Ergebnis, aber keine Hinweise dazu, wie die veränderte Kostenschätzung zustande kommt. Ich finde das nicht skandalös, nur merkwürdig.

1. Preisliste auf der Einstiegsseite: 127,10 Euro

Details: "Preis gilt nur für von Apple durchgeführte Bildschirmreparaturen. Von Apple autorisierte Servicestandorte können ihre eigenen Preise festlegen. Gebühren werden in Euro angezeigt und beinhalten Mwst. sowie Versandkosten in Höhe von 12,10 €."

screen-16-36-2015_08.36.02

2. Kostenvoranschlag auf der Bestellseite: 259,66 Euro

Details: "Diese Schätzung geht von bestehender Qualifikation nach einem Verbraucherschutzgesetz aus. Sie können den endgültigen Preis überprüfen, bevor Sie diese Anfrage abschließen."

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3. Detailliertes Angebot auf der Bestellseite: 320,90 Euro

Drei Klicks später, nachdem ich Abholung per UPS ausgewählt und angegeben habe, dass ich keine Garantie für diesen Schaden sehe (was vorher auch klar war) und das Gerät in einem reparaturfähigen Zustand ist (komplett statt in Einzelteilen).

screen-16-43-2015_08.43.11Das Beitragsbild zeigt "Apple-bobbing at Ditherington Hallowe'en party" und ist gemeinfrei.

Warum läuft eigentlich noch die Wettervorhersage im Fernsehen?

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Gestern habe ich mir um Punkt acht Uhr live die Tagesschau angeschaut - auf dem Tablet. Zwischendurch klingelt das Telefon, ich stoppe die Sendung, rede, dann lasse ich die Tagesschau weiterlaufen und aus der Live-Sendung ist ohne Bruch eine zeitversetzte geworden. Und dann kommt die Wettervorhersage zum Schluss, ich sehe die Deutschlandkarte, viel Bewegung und weiß am Ende immer noch nicht, ob es nun in Düsseldorf regnen wird oder nicht und wenn ja, wie viel.

Warum gibt es eigentlich noch diese Wettervorhersage? Oder überhaupt die Institution Wettervorhersage im Fernsehen? 

Meine Erklärungsversuche:

  1. Informationsbedarf, der nur so gestillt werden kann. Wir haben zwar 44+ Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland, 63,1 % der Bevölkerung nutzen täglich das Internet und 79,5 % zumindest gelegentlich - aber das Wetter ist doch für alle wichtig und deshalb gehört es prominent in eine Nachrichtensendung - auch wenn man am Ende nicht so genau weiß, wie nun das Wetter am Wohnort wirklich wird.
  2. Ritual. Die Wettervorhersage ist jeden Tag gleich, aber etwas anders, sie gibt Kontinuität, Halt und etwas gefühlt dem Alltag ganz Nahes am Ende der schlechten Nachrichten, die so ganz weit entfernt erscheinen. Das Wetter beruhigt zum Ausklang.
  3. Identitätsstiftung. Wir sehen die Deutschlandkarte und wir erfahren, ob die Menschen im Norden, Süden oder Westen morgen Glatteis fürchten müssen. Eigentlich egal, aber durch die Wettervorhersage gefühlt relevant - wie es Menschen im Bayerischen Wald geht, ist für alle wichtig.
  4. Tradition. Die Wettervorhersage gab es schon, als man nicht schneller und genauer erfahren konnte, wie es denn nun wirklich vor Ort wird morgen (obgleich: das bot und bietet die Lokalzeitung auch) - warum sollte das heute anders sein?
  5. simulierter Service. Es ist ein eingespieltes, vergleichweise einfach zu recherchierendes und nicht konfliktträchtiges Format, das den Zuschauern das Gefühlt gibt, hier Lebenshilfe zu erhalten (auch wenn man nicht unbedingt weiß, was man eigenltich am nächsten Tag anziehen soll). Recherchierte Servicestücke a la: Was muss ich tun, um das Klima zu retten? wären vielleicht lebensnäher aber ungleich aufwendiger. (vielen Dank an @ballkultur der mich auf den Gedanken brachte mit dem Vergleich: "Weil in unserer Lokalzeitung noch die günstigen Telefonvorwahlen für "Ferngespräche" stehen, glaube ich! ")

Ein Vergleich von Torsten: "Noch nerviger: Halbstündliche Verkehrsnachrichten im Radio-Stream."

Ideen? Meinungen? Ich stehe vor einem Rätsel.

13 Thesen über das offene Internet, seine Gegner und uns

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(veröffentlicht unter CC BY-ND 4.0)Was für ein Netz, was für ein Mediensystem, was für eine Öffentlichkeit wollen wir und was haben wir? Darüber habe ich einen Essay geschrieben, der jetzt als Digitalbuch bei Hanser Box erschienen ist (2,99 Euro bei Sobooks, myBookShopBuchhandel.deEbook.deThaliaGoogle PlayKoboAmazon.de).

Die grundlegende Frage ist: Wollen wir ein Mediensystem im Netz, dass so funktioniert wie das zentralisierte Netz oben links (mit einem Aufmerksamkeitsverteiler wie Facebook in der Mitte)? Oder sind uns dezentralisierte (Mitte) oder gar verteilte Strukturen (rechts) lieber? Diese Typologie der Netzwerke hat der Elektrotechniker Paul Baran in seinem Papier „On Distributed Communications“ 1964 entwickelt.

Das sind im Prinzip auch 2015 die Optionen in aller Abstraktheit: Niemals wurde das Internet so intensiv genutzt wie heute. Doch immer seltener verlassen die Menschen zentrale Plattformen, um Vielfalt im Netz zu genießen und zu gestalten. Unternehmen stülpen dem offenen Netz eigene Dienste über, die weit weniger offen sind. Whatsapp (zentralisierter Typ links) verdrängt XMPP (dezentralisierte Typ in der Mitte) und so weiter. Diese Entwicklung entzieht der Vielfalt im Netz schleichend den Nährboden. Aber Widerstand ist möglich und macht Freude – davon erzählt mein hoffentlich optimistischer Essay.

Hier eine Ultra-Kurzversion des Gedankengangs in 13 Thesen mit jeweils weniger als 140 Zeichen:

1. Diese Prinzipien haben das Netz groß gemacht: Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Dezentralität und Offenheit.

2. 1996 galt das Netz als etwas wie die Neuauflage der Pariser Kommune: Wir alle bauen hier zusammen etwas Neues.

3. 2015 entfällt mehr als die Hälfte des Webtraffics in Nordamerika auf Netflix, Youtube, iTunes und Facebook.

4. Noch nie haben so viele Menschen das Netz genutzt - und so viele geschlossene, zentralisierte Dienste.

5. Die Konzentration der Aufmerksamkeit bei wenigen Plattformen entzieht dem selbstorganisierten Netz den Nährboden.

6. Unternehmen stülpen geschlossene Dienste über das offene Netz. Whatsapp statt XMPP. Newsfeed statt Blogs und RSS

7. Menschen sind kreativ, erweitern das Netz. Aber eher Datensilos als Selbstorganisiertes wie OSM, Wikipedia

8. Die technische Basis des Netzes erlaubt noch immer Innovation ohne Erlaubnis, Selbstorganisation, Dezentralität.

9. Es ist unsere Entscheidung, was wir aus der Basis eines offenen Netzes machen. Was wir hegen, wird gedeihen.

10. Damit ein offenes Angebote im Netz gedeiht, braucht es manchmal nur ein paar Tausend gut organisierter Aktiver.

11. Wer das Netz als gesellschaftliches Projekt sieht, gestaltet mit: Wikis, Openstreetmap, Blogs, Gemeinschaften

12. Strategischer Konsum hilft: Wenn Ihnen Vielfalt im Netz wichtig sind, nutzen und fördern Sie Alternativen.

13. Ein von Selbstorganisation, Dezentralität und Offenheit bestimmtes Netz ist möglich. Wenn wir nur wollen und tun.

Ebook: Das Netz verschwindet Das Netz verschwindet - das offene Internet, seine Gegner und wir

Maximale Reichweite für wenige Digital-Giganten – das also wurde aus dem alten Internet-Schlachtruf 'Promote decentralization'?

2,99 Euro, 22 Seiten, erschienen am 25.11.2015 bei Hanser Box, ePUB-Format (mit Wasserzeichen), ISBN 978-3-446-25156-4

Heute erscheint mein Essay über das offene Netz bei Hanser Box

2 min read

Ebook: Das Netz verschwindet Ich habe etwas ausprobiert und für den Hanser Verlag einen Essay darüber geschrieben, was gerade mit dem offenen Netz geschieht. Neugierig bin ich, wie ein solcher mittellanger Text als E-Books läuft. Ob eine Diskussion in Gang kommt? Ob der Essay anders und von einem anderen Publikum?) wahrgenommen wird als Texte hier im Blog? Der Hanser-Verlag hat ein eigenes Label für mittellange digitale Texte gegründet: Hanser Box. Dort erscheinen alle zwei Wochen Essays, Erzählungen, Reportagen.

Mein Essay über das offene Netz ist mit gut 38.000 Zeichen länger als alles, was ich in diesem Blog je veröffentlicht habe. Der großartige Florian Kessler hat den Text sorgfältig lektoriert. Es ist eine Freude, mit einem Lektor zu arbeiten, der mit einem denkt, Thesen diskutiert und am Text arbeitet. Es ist hoffentlich auch eine Freude, das zu lesen. Ich finde mit aller Voreingenommenheit: Das Ergebnis ist 2,99 Euro wert. Dafür gibt es ein hervorragend lektoriertes E-Book ohne DRM (ePUB mit Wasserzeichen bei Buchhandel.de und anderen Händlern, die auf ePub setzen). Natürlich gibt es auch eine Version für Menschen, die Amazon vorziehen.

Das Netz verschwindet - das offene Internet, seine Gegner und wir

Maximale Reichweite für wenige Digital-Giganten – das also wurde aus dem alten Internet-Schlachtruf 'Promote decentralization'?

Niemals wurde das Internet so intensiv genutzt wie heute. Doch immer seltener verlassen die Menschen zentrale Plattformen wie Facebook, um Vielfalt im Netz zu genießen und zu gestalten. Unternehmen stülpen dem Netz eigene Dienste über, die weit weniger offen sind. Diese Entwicklung der Vielfalt im Netz schleichend den Nährboden. Aber Widerstand ist möglich und macht Freude – davon erzählt dieser optimistische Essay.

2,99 Euro, 22 Seiten, erschienen am 25.11.2015 bei Hanser Box, ePUB-Format (mit Wasserzeichen), ISBN 978-3-446-25156-4

Für 2,99 Euro kaufen bei: Sobooks ¦ myBookShop ¦ Buchhandel.de ¦ Ebook.de ¦ Thalia ¦ Google Play (ePub mit Wasserzeichen) | Kobo ¦ Amazon.de

Wir verlieren täglich Tausende Datenpunkte Zeit- und Mediengeschichte

4 min read

Dominierten am 11. September 2001 in deutschen Onlinemedien Schlagzeilen im Duktus von „5000 Schüsse abgefeuert“ oder „Plötzlich mitten im Anti-Terroreinsatz“ oder „So läuft der Anti-Terror-Einsatz“? Das habe ich mich am Wochenende gefragt und wollte es herausfinden.

Ich habe die Onlineberichterstattung über die Anschläge von Paris habe als sehr actionorientiert wahrgenommen. Mich hat irritiert, dass Live-Berichterstattung über Polizeieinsätze und militärisches Vorgehen dominiert. Vielleicht liege ich mit der Wahrnehmung falsch, vielleicht haben Erzählungen wie diese über Notärzte, Polizisten und Feuerwehrleute immer schon aktuelle Berichterstattung bei solchen Ereignissen dominiert. Um herauszufinden, ob das vor 15 Jahren so war, wollte ich mir die Schlagzeilen, Artikel und Homepages deutscher Onlinemedien vom 11.9. und 12.9.2001 ansehen.

Es ist schlicht unmöglich, jetzt nachzuvollziehen wie am und nach dem 11.9.2001 die Berichterstattung in großen deutschen Onlinemedien wie der Netzeitung und bis heute großen wie Spiegel Online ausgesehen hat. Das liegt an drei Dingen:

1. Komplette Onlinemedien sind verschwunden und wurden nicht archiviert.

Das ist bei der Netzeitung der Fall. Das komplette Archiv aus neun Jahren Berichterstattung ist weg. Und Archive.org hat die Netzeitung im September 2001 gar nicht archiviert.

2. Einzelne Artikel sehen heute ganz anders aus, wurden umgeschrieben oder gar nicht archiviert.

Auch wenn ein Onlinemedium immer noch existiert und gedeiht, heißt das nicht, dass die alten Artikel verlässlich abrufbar sind. Das habe ich bei einigen Artikeln von Spiegel Online bemerkt. So hat der Artikel mit der ID 156883 in heutigen Darstellung einen ganz anderen Inhalt als in den von Archive.org erfassten, offenbar älteren http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,156883,00.html">Version.

Das ist immer noch besser als die Tatsache, dass bei vielen heute noch existierenden Onlinemedien die Artikel aus dem Jahr 2001 verschwunden sind. Der Perlentaucher hatte am 12.9.2001 eine Übersicht mit Analysen und Hintergründen zum Attentat veröffentlicht. Von 16 dort einzeln verlinkten Artikeln sind heute noch diese vier abrufbar. Anders gesagt: Drei Viertel sind verschwunden, obgleich die Onlinemedien weiter bestehen, die diese Texte ursprünglich veröffentlicht haben.

3. Homepages sind (noch) die Titelseiten im Netz. Sie werden nicht archiviert.

Wie beurteilt ein Kommunikationswissenschaftler oder Historiker heute, welche Relevanz unterschiedliche Presseorgane im 19. Jahrhundert einem Bergarbeiterstreik in Stadt X beigemessen haben? Wahrscheinlich wird die Methode irgendwie so aussehen: Der Forscher geht ins Archiv, analysiert die Berichterstattung und die Platzierung der Themen und misst dabei, wie weit vorne (Titelseite!) und auf welcher Fläche ein Thema abgehandelt worden ist. Die Annahme wird sein: Je prominenter und größer, desto relevanter.

Bei Onlinemedien war das in den vergangen zwei Jahrzehnten vergleichbar: Da viele Nutzer zum Beispiel von Spiegel Online direkt die Homepage (also Spiegel.de) aufrufen, kann man die einem Thema von der Redaktion beigemessene Relevanz daran festmachen, wie weit oben auf der Startseite es stattfindet. Und - das ist der Unterschied zu Papiermedien - weil es keine abgeschlossene Ausgabe gibt, ist ebenso entscheidend, wie lange im Tagesverlauf dieses Thema diese Plätze einnimmt.

Das heißt: Selbst wenn man heute eine archivierte Version der Homepage von Spiegel Online irgendwann vom 11.9.2001 auf dem Server von Archive.org hat: Wie sich die Gewichtung von Themen im Tagesverlauf entwickelt hat, kann man mit eine solchen statischen Kopie nicht nachvollziehen.

Fazit: All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen

Zwei Jahrzehnte Onlinejournalismus sind vorbeigezogen, ohne dass jemand die Datenbasis für die Erforschung dieser Gründerzeit geschaffen hat. All das ist für immer verloren, wir haben heute dank Brewster Kahle immerhin Bruchstücke und Momentaufnahmen. Enorm wichtige Daten für die Erforschung von Themenkarrieren und veränderten Nutzungsgewohnheiten in den 20 Jahren Onlinejournalismus wäre die Abrufzahlen der archivierten Werke. All diese Daten lagen einmal digital in irgendwelchen Datenbanken vor. Vielleicht sind sie noch irgendwo da draußen. Aber wenn heute jemand die Onlineberichterstattung über den 11.9.2001 mit der über den 13.11.2015 vergleichen will, hat er noch viel weniger Material als ein Historiker, der die archivierten Zeitungsausgaben aus dem 19. Jahrhundert für seinen Bergarbeiterstreik untersucht.

Der Aufstieg geschlossener Plattformen macht Archivierung noch schwieriger.

Die Archivierung von Onlinejournalismus könnte noch viel schwieriger werden. Wenn die Homepages von Nachrichtenseiten an Bedeutung verlieren, weil Medienmarken immer mehr Inhalten über Plattformen wie Facebook oder Snapchat ausliefern, hat man in 15 Jahren vielleicht ein noch weit weniger archiviertes Material als wir heute aus den 90ern. Im offenen Netz konnte ein idealistisches Projekt wie Archive.org sammeln. In geschlossenen Plattformen wird das kaum möglich sein.

Was jetzt passiert und sofort berichtet wird

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Sascha Lobo hat heute eine Kolumne mit klugem Fazit zum Umgang mit Terror geschrieben: "Es gibt keine Abkürzung". Er argumentiert gegen die Beschwörungsformel "Überwachung gleich Sicherheit". Denn: "Das beste Mittel gegen jede Form von Radikalisierung und Gewalt ist, eine für alle funktionierende, zivilisierte Gesellschaft aufzubauen. Das ist das Gegenteil der Beschwörung, nämlich harte Arbeit."

Bei heutigen Berichterstattung habe ich allerdings das Gefühl, dass hier gar zunächst gar nicht das mehr an Überwachung als Beschwörungsformel wirkt. Nach meinem durchschnittlichen Nachrichtenkonsum am heutigen Mittwoch dominieren gefühlt Polizeieinsätze die gesamte Berichterstattung.

Ein Blick in die Schlagzeilen des Tages zeigt: Es geht vor allem um etwas, was diese Zeile auf den Punkt bringt: "So läuft der Anti-Terror-Einsatz in Paris". Und noch krasser: "5000 Schüsse abgefeuert".

Natürlich muss man die Verdächtigen verfolgen, das ist nicht der Punkt. Was ich meine: In der Wucht der Berichterstattung wirkt diese Verengungen auf Polizeieinsätze wie die von Lobo gemeinte Abkürzung. Es geht jetzt sofort und zeigt eine Reaktion und Handlungsbereitschaft. Die Ursachen und die lösbaren Probleme analysiert das nicht. Anders zum Beispiel heute in der belgischen Tageszeitung de Tijd, die in einem datenstarken Artikel das Viertel Sint-Jans-Molenbeek mit allen anderen belgischen Vierteln vergleicht. Ergebnis: Siedlungsdichte am höchsten, Durchschnittseinkommen am niedrigsten und so weiter. Das ist eine Analyse der Dinge, für die es keine Abkürzung gibt.

Eine Sicht, die mir in der Masse der Texte heute - von Lobo abgesehen - fehlt:

Messenger Telegram: Lieblings-App der IS-Terroristen sperrt Propaganda-Kanäle (Netzwelt, 21:57)
Großveranstaltungen in Deutschland: Mehr Polizei, mehr Kontrollen, keine Böller (Politik, 21:30)
Saint-Denis in Angst: "Da sind sicher noch mehr Terroristen unterwegs" (Politik, 20:17)
Deutschland nach den Terroranschlägen: Die Angst kriecht (Politik, 19:46)
Sicherheitslage in Deutschland: Die verunsicherte Republik (Politik, 19:40)
Razzia in Saint-Denis: Terrorgruppe war bereit zu weiterem Anschlag (Politik, 19:15)
Instrumentalisierung der Terroranschläge: Seehofer wirft Söder Profilierungssucht vor (Politik, 18:11)
Anti-Terror-Maßnahmen: EU-Kommission setzt auf strengeres Waffenrecht (Politik, 16:20)
Anti-Terror-Aktion bei Aachen: Polizei will sich "angemessen" entschuldigen (Politik, 15:47)
Kampf gegen den IS: Jetzt wollen alle mit Putin reden (Politik, 15:22)
: Warum Frankreich um einen Polizeihund trauert (Panorama, 14:32)
De Maizières Spielabsage: Was wir nicht wissen wollen (Politik, 14:19)
Attentate in Paris: Die Spur auf dem Smartphone (Politik, 14:00)
Terror in Paris: Polizeiarzt schildert Gräuel vom Bataclan (Politik, 13:43)
Wirtschaftliche Folgen des Terrors: EZB warnt vor Schwarzmalerei (Wirtschaft, 12:58)
Anti-Terror-Einsatz bei Paris: Die Polizisten schrien "Fenster zu, Fenster zu!" (Politik, 12:56)
Beteiligung der Bundeswehr: Bundesregierung schließt Syrien-Einsatz nicht aus (Politik, 12:49)
Aktueller Ermittlungsstand: Was wir über die Attentäter wissen (Politik, 12:19)
Debatte über Bodentruppen: Der schwierige Krieg gegen den IS (Politik, 12:17)
Innere Sicherheit: Schäuble erwägt Bundeswehreinsatz bei Anschlägen im Inland (Politik, 11:36)
Nach Anschlag bei Pariser Konzert: Fans wollen Eagles of Death Metal an Spitze der Charts kaufen (Netzwelt, 11:34)
Frankreichs Raid-Einheit: Spezialisten für gefährliche Einsätze (Politik, 11:03)
IS-Verdacht in Bangladesch: Bewaffnete schießen auf italienischen Priester (Panorama, 11:03)
Kampf gegen Dschihadisten: Dutzende Tote bei Luftangriffen auf IS-Hochburg Rakka (Politik, 10:52)
+++ Der Video-Livestream +++: So läuft der Anti-Terror-Einsatz in Paris (Politik, 09:16)
Die Meldung: Tote bei Anti-Terror-Razzia in Pariser Vorort (Politik, 08:59)
Brüsseler Problemviertel Molenbeek: Je suis 1080 (Politik, 07:28)
Vergeltung nach Terroranschlägen: Frankreich bombardiert erneut IS-Hochburg Rakka (Politik, 00:06)
+++ Newsblog zu Paris +++: "5000 Schüsse abgefeuert" (Politik, 06:16)
Suche nach Attentätern: Schüsse bei Anti-Terror-Razzia in Paris - mehrere Polizisten verletzt (Politik, 06:04)

Twitter gibt sich einen Pressekodex

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Twitter versucht mit dem neuen Angebot Moments, etwas mit Journalismus Vergleichbares zu machen: Die Twitter-Redakteure wählen Material aus und komponieren es zu kleinen, eigenen Geschichten. Interessanter als die ersten zaghaften Versuche der Umsetzung finde ich die Richtlinien, die Twitter sich selbst für diesen Dienst geschrieben hat.

Passagen dieses Dokuments lesen sich, als hätte Twitter den Pressekodex kopiert. Das meine ich nicht despektierlich. Im Gegenteil: Es ist ehrenwert, dass hier einer der großen Plattformbetreiber transparent mit der Rolle als Publikation umgeht und versucht, eine Berufsethik zu formulieren.

Die Twitter-Richtlinien sind ein Meilenstein. Suchmaschinen und soziale Netzwerke funktionieren als Publikumsverteiler ähnlich wie Medien. Sie wählen aus, welche Neuigkeiten aus der Flut an Neuem welche Nutzer erreichen. Die neuen Vermittler verteilen Aufmerksamkeit. Dienste wie Facebook, Google, Twitter sind Gatekeeper und sie können auch Agenda-Setter sein.

Pressekodex vs. Twitter-Richtlinien

Der Vergleich von Twitters Richtlinien und dem deutschen Pressekodex in drei Bereichen zeigt, wie ähnlich die Rollenbild und Schlussfolgerungen sind, aber auch, wo Probleme bei Twitters Do-it-yourself-Berufsethik drohen:.

1. Schutz der Persönlichkeit

Twitter-Richtlinien: „We avoid creating Moments that may invade privacy, encourage illegal activities, exploit or harm minors, or make Twitter, Inc. a focus of the story.“

Pressekodex: „Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. Ist aber sein Verhalten von öffentlichem Interesse, so kann es in der Presse erörtert werden. Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein.“

Es ist erstaunlich, dass Twitter keine ausdrücklichen Einschränkungen des deklarierten Primats des Persönlichkeitsschutzes aufführt. Ist ein rassistischer Ausfall oder eine Steuerhinterziehung bei einer Person des öffentlichen Lebens nicht anders zu behandeln als bei jedermann? Der Pressekodex führt viele Einschränkungen auf - der Text zur entsprechenden Ziffer ist noch viel länger. Denn: Es kommt auf den Einzelfall an. Und die Entscheidung in jedem Einzelfall sollte idealerweise dazu dienen, den Kodex zu präzisieren, sofern etwas Grundsätzliches abzuleiten ist. Deshalb ist der Pressekodex so lang. Twitters Richtlinie dürfte in der Praxis schon bald zu Fällen führen, wo auf der Basis keine klare Entscheidung möglich ist.

2. Genauigkeit

Twitter-Richtlinien: „When dealing with news or newsworthy content, we want to highlight quality Tweets that represent accurate information. If we ever highlight content that turns out to be inaccurate, we will retract it and issue a correction in a Tweet.“

Pressekodex: „Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen. (1) Für den Leser muss erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war. Deshalb nimmt eine Richtigstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der Öffentlichkeit eingestanden worden ist.“

Mir erscheint Twitters Richtlinie hier widersprüchlich. Wenn das Ziel korrekte Information ist, sollte daraus folgen, dass bei Korrekturen oberster Ziel sein sollte, den falschen entstandenen Eindruck zu korrigieren. Alle Nutzer, die den fehlerhaften Tweet gesehen haben, sollten die Korrektur sehen. Doch das steht in Twitters Richtlinien nicht. Anders als im Pressekodex, der eine angemessene Richtigstellung als Ziel vorgibt (was mehr ist als ein Korrekturtweet).

3. Eigeninteresse

Twitter-Richtlinien: „Our Moments curation team is not responsible for driving revenue, user growth, or managing Twitter’s partner relationships. We will feature Tweets in Moments and select Moments based on what best serves our audience, and not to benefit advertisers, partners, or Twitter’s business interests. We will generally avoid creating Moments that cover our own industry, our company, or our competitors.“

Pressekodex: „Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken. Bei Veröffentlichungen, die ein Eigeninteresse des Verlages betreffen, muss dieses erkennbar sein.“

Auch hier erscheint mit Twitters Richtlinie etwas kurzsichtig. Dient es wirklich der wahrhaftigen Information der Öffentlichkeit, keine Details zu einem Sicherheitsdebakel bei Google zu veröffentlichen? Oder zu einer rechtlichen Auseinandersetzung zwischen Facebook, Twitter und dem amerikanischen Staat wegen des Datenzugriffs? Dient es wirklich dem Interesse der Öffentlichkeit, eine so wichtige Branche komplett aus der Berichterstattung in Moments auszuschließen? Ich finde nicht.

Wie konkretisiert und aktualisiert man solche Normen?

Wenn man sich all die offenen Fragen anschaut, die bei diesen drei Themen in Twitters Richtlinien sofort auffallen, stellt sich die nächste: Wer wird das konkretisieren? Wer wird in unklaren Fällen entscheiden? Der Pressekodex in Deutschland hat da ein gutes Instrument. In der Präambel heißt es: „Die Berufsethik räumt jedem das Recht ein, sich über die Presse zu beschweren. Beschwerden sind begründet, wenn die Berufsethik verletzt wird.“

Der Presserat macht vor, wie sich durch eine praxisorientierte Institution Medienethik weiterentwickeln kann. Gegründet wurde der Presserat 1956 als Reaktion auf ein geplantes Bundespressegesetz. Das Gesetz kam nicht, die Journalisten und Verlage haben freiwillige Selbstkontrolle gemacht. Getragen wird der Presserat von Verleger- und Journalistenorganisationen. Das System ist dynamisch: Jeder Mensch kann online eine Beschwerde einreichen. So muss sich der Presserat mit den Themen beschäftigen, die Menschen wichtig sind.

Der Presserat prüft Beschwerden anhand der Normen im Pressekodex – so werden ständig in Einzelfällen die abstrakten Prinzipien konkretisiert und es entstehen ständig neue Beispiele dafür, wie die Grundsätze in der Praxis helfen. Beschwerden sind begründet, wenn die Berufsethik verletzt wird.

Der Presserat entwickelt den Kodex ständig weiter, wenn Beschwerden neue Fragen aufwerfen. So entstehen zum Beispiel Normen für den Umgang mit Kommentaren im Netz. Eine solche Dynamik und unabhängige Instanz brauchen auch Richtlinien wie die Twitters, um irgendeine Wirkung zu haben. Ach ja, dass eine solche Instanz unabhängig von Unternehmen ist, könnte helfen. Und dass die großen Plattformen in der Branche sich einer solchen Instanz unterwerfen auch.

Was ist mit den anderen kuratierten Tweets?

Und so schön es ist, dass Twitter über die Berufsethik bei Moment nachdenkt, weil hier ausschließlich Menschen auswählen: Was ist eigentlich mit ethischen Grundlagen für diesen anderen großen Informationsfilter, den das Unternehmen betreibt? Den Twitter-Feed selbst. Die Auswahlkriterien dafür, was jeder einzelne Nutzer sieht, legen hier Entwicklern und Management fest. Sie entscheiden, nach welchen Prinzipien Software bestimmte Informationen bestimmten Nutzern anbietet und anderen nicht. Das sind publizistische Entscheidungen. Ich sehe keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Redakteur, der auswählt, und einer Software, die auf der Basis von durch Menschen definieren Vorgaben auswählt.

(Illustration basierend auf diesen gemeinfreien Werken aus den Commons auf Flickr)

Journalismus als Geschäftsmodell - so viel erlösen Medienfirmen je Mitarbeiter

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Wie erfolgreich sind Medienunternehmen? Das kann man mit Qualitätsvergleichen beantworten, mit Daten zur Nutzungsintensität - oder schlicht mit Umsatzzahlen, wenn man Medien als Unternehmen betriebswirtschaftlich vergleicht. Das Blog The Awl hat für den Vergleich die Kennzahl Umsatz je Mitarbeiter herangezogen und Werte für Firmen wie Buzzfeed, Vice und Vox Media recherchiert.

Ich habe mal aus den Bilanzen einiger deutscher Medienunternehmen (und einer Besonderheit aus den Niederlanden) Vergleichszahlen gezogen. In aufsteigender Reihenfolge:

de Correspondent

Am 30. September 2013 ging in den Niederlanden ein einzigartiges journalistisches Angebot online: de Correspondent ist ein reines Onlinemedium ohne Werbung und mit ausgeruhten Essays und Analysen zu aktuellen Themen. Das Geschäftsmodell ist einfach: Abogebühren, keine Werbung. Die Kennzahlen beruhen auf diesen Angaben von de Correspondent zum laufenden Geschäftsjahr 2015.

Beschäftigte: 28 Personen
Umsatzerlöse*: 2.160.000 Euro
Umsatz je Beschäftigten*: 77.142,85

**eigene Berechnung: Die im August 2015 genannte Zahl von Abonnenten multipliziert mit dem Jahresabopreis von 60 Euro*.

Deutscher Fachverlag

Der aktuellste öffentliche Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr 2013. Abrufbar über den Suchbegriff „Deutscher Fachverlag Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ beim Bundesanzeiger.

Beschäftigte: 1.004 Personen
Umsatzerlöse: 139.824.523 Euro
Umsatz je Beschäftigten: 139.267,44 Euro

Madsack Mediengruppe

Der aktuellste öffentliche Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr 2013. Abrufbar über den Suchbegriff „Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG“ beim Bundesanzeiger.

Beschäftigte (mit Zustellpersonal): 5.682 Personen
Beschäftigte (ohne Zustellpersonal): 4.427 Personen
Umsatzerlöse: 669.487.478,48 Euro
Umsatz je Beschäftigten (mit Zustellpersonal): 117.826,03 Euro
Umsatz je Beschäftigten (ohne Zustellpersonal): 151.228,24 Euro

Mediengruppe M. DuMont Schauberg

Der aktuellste öffentliche Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr 2014. Abrufbar über den Suchbegriff „Mediengruppe M. DuMont Schauberg GmbH & Co. KG“ beim Bundesanzeiger.

Beschäftigte (mit Zustellpersonal): 11.134 Personen
Beschäftigte (ohne Zustellpersonal) 3.267 Personen
Umsatzerlöse: 538.957.322,05 Euro
Umsatz je Beschäftigten (mit Zustellpersonal): 48.406,43 Euro
Umsatz je Beschäftigten (ohne Zustellpersonal): 164.970,10 Euro

BuzzFeed

Die Angaben beruhen auf Recherchen und Schätzungen von The Awl für das laufende Geschäftsjahr 2015, umgerechnet in Euro zum Kurs vom 4. Oktober 2015:

Beschäftigte: 1200 Personen
Umsatzerlöse: 222,9 Millionen Euro
Umsatz je Beschäftigten: 185.751 Euro

Spiegel Verlag

Der aktuellste öffentliche Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr vom 2013. Abrufbar über den Suchbegriff „Rudolf Augstein Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hamburg“ beim Bundesanzeiger.

Der Konzern schlüsselt die Beschäftigtenzahl und die Umsätze auch nach Firmenbereichen (Print, Online, Fim- und Fernsehen) auf, daher hier detaillierter Zahlen.

Beschäftigte im Konzern 1.474 Personen
Umsatzerlöse: 294.683.114,76 Euro
Umsatz je Beschäftigten: 199.920,70 Euro

Die Details:

Spiegel Print*:

Beschäftigte: 936 Personen
Umsatzerlöse: 212 Millionen Euro
Umsatz je Beschäftigten: 226.495,72 Euro
(SPIEGEL-Verlag, manager magazin Verlag, Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien KG, New Scientist Deutschland GmbH, Kunsthandel-Verlagsgruppe)*

Spiegel Online*

Beschäftigte: 207 Personen
Umsatzerlöse: 38 Millionen Euro
Umsatz je Beschäftigten: 183.574,88 Euro
(SPIEGEL ONLINE, manager magazin new media, manager lounge leaders network*

Spiegel Film- und Fernsehen*

Beschäftigte: 226 Personen
Umsatzerlöse: 34 Millionen Euro
Umsatz je Beschäftigten: 150.442,48 Euro
(SPIEGEL TV, SPIEGEL TV infotainment, SPIEGEL TV Media, SPIEGEL TV Produktion, ASPEKT Telefilm, SPIEGEL TV Geschichte und Wissen)*

Axel Springer

Die Werte basieren auf dem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2014.

Beschäftigte: 13.917 Personen
Umsatzerlöse: 3.037.900.000 Euro
Umsatz je Beschäftigten: 218.286,97 Euro

Hubert Burda Media

Die Werte basieren auf dem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2014.

Mitarbeiterzahl am Jahresende: 10.374 Personen
Umsatzerlöse: 2.455.000.000 Euro
Umsatz je Mitarbeiter: 236.649,32 Euro

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der aktuellste öffentliche Konzernabschluss umfasst das Geschäftsjahr vom 2013. Abrufbar über den Suchbegriff „Frankfurter Allgemeine Zeitung Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ beim Bundesanzeiger.

Beschäftigte im Konzern 866 Personen
Umsatzerlöse: 249.429.396,20 Euro
Umsatz je Beschäftigten: 288.024,70 Euro

New York Times

Die Werte basieren auf der Jahresbilanz für das Geschäftsjahr 2014.

Beschäftigte: 3588 Personen
Umsatzerlöse: 1.416.340.000 Euro
Umsatz je Beschäftigten: 394.743,59 Euro

Vice

Die Angaben beruhen auf Recherchen und Schätzungen von The Awl für das laufende Geschäftsjahr 2015, umgerechnet in Euro zum Kurs vom 4. Oktober 2015:

Beschäftigte: 2000 Personen
Umsatzerlöse: 815,7 Millionen Euro
Umsatz je Beschäftigten: 407.910 Euro

Betriebswirtschaftliche Kennzahlen sind nicht alles - ich halte de Correspondent aus vielen Gründen für das wichtigste und beste Projekt im Digitaljournalismus in den vergangenen Jahren.

Anmerkung: Umsatz je Mitarbeiter ist nur im Vergleich und nur in einer Branche sinnvoll. Die aufgeführten Firmen sind allesamt (auch) im Journalismus aktiv, einige rein digital, andere auch mit Papiervertrieb und Fernsehen. Die aktuellen Werte sagen nichts über erwartete Veränderungen aus (wenn zum Beispiel Print-Umsätze fallen) und zudem ist die Vergleichbarkeit nicht ganz unumstritten, da unberücksichtigt ist, in welchem Maß Outsourcing die Zahlen beeinflusst.

(Daten als CSV)

Woher weiß Google, wann meine Katze stirbt?

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Wie lange leben Katzen? Exakt 15 Jahre, sagt Google.com. Bähm! Nicht "10 bis 15", nicht "ungefähr 15 Jahre", sondern „15 Jahre“. Das ist die Antwort auf die Suchanfrage „How long do cats live“.

Mich überrascht dieser exakte Wert.

Woher kommt die Zahl?

01 Katze

Zunächst dachte ich: Vielleicht steht es so in der Wikipedia. Aber nein, der von Google in einer anderen Box verlinkte Artikel auf en.wikipedia.org gibt 12 bis 15 Jahre als Lebenserwartung an - unter Verweis auf die so-la-la-Quelle about.com. Laut dem deutschen Magazin „Geliebte Katze“ liegt die Lebenserwartung heute bei 15 bis 20 Jahren.

Ich habe keine Ahnung, wie alt Katzen im Durchschnitt heute werden. Aus den wenigen mir öffentlichen zugänglichen Quellen im Netz weiß ich, dass die Lebenserwartung gestiegen ist und dass es mangels aktueller Empirie keine exakten Daten gibt.

Das Katzenbeispiel veranschaulicht sehr gut eine schleichende, aber grundlegende Veränderung der Funktionen von Suchmaschinen und anderen Vermittlern im Netz. Sie werden selbst zu Quellen statt auf Quellen zu verweisen. Nehmen wir die Google-Trefferliste zum Durchschnittsalter von Katzen: Die Nutzer haben ein enormes Vertrauen, dass Google die relevantesten Treffern oben in dieser Liste anzeigt. Und nun steht über dieser Liste die Aussage: 15 Jahre. Ohne Quelle. Meine Vermutung ist, dass viele Menschen die verinnerlichte hohe Glaubwürdigkeit Googles bei der Relevanzbestimmung auf diese Aussage übertragen.

Dabei ist es etwas grundsätzlich anderes, eine Antwort zu geben als mehrere Quellen aufzuführen. Wir können zitierte Quellen vergleichen, ihre Glaubwürdigen selbst einschätzen und die Relevanz der Trefferliste auf der Basis hinterfragen. Das geht bei einer referenzfreiens Antwort wie „15 Jahre“ nicht.

Ich glaube, dass diese Art der Suchergebnisse zunehmen wird. Dafür sprechen: Die Ausgaben für Schnittstellen wie Siri, Cortona oder Google Now. Die Dominanz von Mobiltelefonen. Die Möglichkeiten zur Monetarisierung einer zentralen, geschlossenen Mobilplattform wie sie Wechat in China demonstriert.

Und wir haben immer noch keine Ahnung, warum da „15 Jahre“ steht. Anders als eine Trefferliste zeigt diese Art der Präsentation in einer Antwortbox nicht die Vielfalt durchaus widersprüchlicher Quellen.

Tippt man „goat lifespan“ als Suchanfrage ein, sieht die Antwort etwas anders aus: 15-18 Jahre. Diese Angabe könnte aus einem Wikipedia-Artikel stammen, der als Quelle „Handbook of Biological Data“ von 1956 angibt. Ich weiß nicht, ob sich die Lebenserwartung von Ziegen in den vergangenen 60 Jahren gar nicht verändert hat und ob es überhaupt so etwas wie DIE Lebenserwartung von Ziegen gibt.

01 Ziege

Googles Knowledge Graph weiß das vielleicht, verrät es aber nicht. Eine interessante Theorie zum Entstehen dieser Angaben hat The Verge. Der Autor schreibt nach einem Gespräch mit dem der Knowledge-Graph-Produktmanagerin Emily Moxley:

„There's also no specific place that Google trusts as a source for actor information, or animal information. It's just that when you look for lengths of time that are associated with "goat + lifespan," they tend to fall between 15 and 18 years. It's ambient data, coming from everywhere and nowhere. If you get enough of a consensus, it turns into something that looks an awful lot like a fact.“

Das könnte auch stimmen.

Eine Erklärung, die beides zusammenbringt: Vielleicht schreiben die Menschen auf vielen Webseiten die Angaben aus der englischsprachigen Wikipedia zur Lebenserwartung von Ziegen ab, die aus einem Handbuch von 1956 stammen. Und in der Google-Antwort auf die Frage nach der Lebenserwartung von Ziegen erscheint dieser Wert dann ohne jede Referenz als derzeit gültiges Wissen - obgleich die Empirie mehr als ein halbes Jahrhundert alt ist (wenn die Angaben im „Handbook of Biological Data“ denn auf Empirie beruhen).

Bei Wörtern in englischer Sprache liefert Google direkt auf den Trefferseiten Definitionen als eigenen Inhalt ohne Quellenangabe. Hier ist aber vergleichsweise einfach, den Ursprung zu ermitteln - man sucht einfach nach Fundstellen für den Text der Definition im Netz. Und so zeigt sich dann, dass Google für den Begriff transgender diese Definition des Oxford Dictionary allen anderen vorzieht:
„denoting or relating to a person whose self-identity does not conform unambiguously to conventional notions of male or female gender.“

04 transgender

Warum wird diese Definition als einzige angezeigt? Ist sie treffender als die - sehr unterschiedlichen Definitionen - von Collins, Merriam-Webster, Macmillan, Wiktionary, Wikipedia? Oder hat die Verwendung dieser Definition nichts mit der Qualität des Inhalts zu tun, sondern ist sie zum Beispiel der Tatsache geschuldet, dass nur mit einigen Anbieter (oder nur mit einem?) Verträge über die Nutzung solche Inhalte ohne Quellenhinweis geschlossen wurden? Keine Ahnung.

Beim tennis elbow scheint die Definition des Oxford Pocket Dictionary of Current English von 2009 anderen überlegen zu sein.

Die Lebenserwartung von Katzen, Ziegen und Wortdefinitionen mag man als Kleinigkeiten abtun. Was ist schon schlimm daran, wenn unklar ist, woher die Daten kommen, wie aktuell und wie belegt sie sind? Es geht ja nur um eine ungefähre Vorstellung. Stimmt schon. Problematisch finde ich es dennoch, das Nutzer keine Möglichkeit haben, das Entstehen dieser Angaben nachzuvollziehen. Schließlich fragen Menschen ihre digitalen Assistenten (formerly known as Suchmaschinen) nicht unbedingt nur nach der Lebenserwartung von Katzen und Ziegen. Sondern auch nach Gesundheitstipps.
Zum Beispiel: how to lose weight?

Als Antwort darauf ist über den Suchtreffern eine Acht-Punkte-Liste zu sehen, die von einer Seite namens Dietdoctor.com stammt. Sie beginnt mit:
„1. Choose a Low-Carb Diet. If you want to lose weight you should start by avoiding sugar and starch (like bread).“

Warum ist dieser Hinweis so prominent hervorgehoben und der Text von der verlinkten Seite übernommen worden? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass die Empirie zur Überlegenheit von Low-Carb-Diäten ähnlich unübersichtlich wie beim Alter von Katzen und Ziegen ist. Ich finde: Wenn ein Medium die Fragen der Nutzer beantwortet, sollte es dem Nutzer die Quellenlage immer transparent machen. Und wenn es keine klare Antwort gibt, sollte die Antwort sein: Es ist kompliziert. Und nicht: "15 Jahre!“ Oder: „Low Carb!“

03 dietDas Beitragsbild ist gemeinfrei und wurde vom norwegischen Nationalarchiv digitalisiert.

Drei kluge Gedanken über das Mitmachnetz

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Ich probiere etwas aus: Statt einfach nur Links zu interessanten Texten zu verbreiten, greife ich drei kluge Gedanken raus. Erster Versuch: Wer? Jakob Nielsen ist ein Berater für benutzerfreundliche Gestaltung.

Worüber? Nielsen schreibt im Oktober 2000 diesen Text über Content Creation by Average People - also die Frage, wie man jedermann dazu bringt, Inhalte im Netz zu publizieren. Es gab damals kein Facebook, kein Wikipedia, keine Blogs, kein Twitter, kein Yelp, kein Instagram, kein Flickr. Nielsen sieht all das voraus, aber weil er diese Dienste nicht kannte, ist seine Analyse ungetrübt von Beispielen.

1. Gedanke: Die Mehrheit der Menschen kann alleine aus dem Nichts wenig erschaffen, was für viele andere interessant ist. Wenn das Netz zum Massenmedium wird und die Masse nicht passiv, sondern aktiv mitwirken soll, müssen die Hürden fürs Mitmachen sinken.

2. Gedanke: Wenn die Beteiligungsmöglichkeiten strukturiert sind, sinkt die Hürde zum Mitmachen. Zum Beispiel: Bewertungen von Filmen, Produkten usw. auf einer Kategorie abfragen, persönliche Kurzkommentare standardisiert einfordern. Menschen aus Inhalten anderer auswählen und neu mischen lassen.

3. Gedanke: Strukturierte Inhalte und die Auswahl aus Bestehendem sind Notlösungen. Wenn eine Mehrheit die Struktur des Webs mitgestalten soll, muss sie mehr darüber lernen.

Meine 2 Cent: Vieles, was Nielsen vor 15 Jahren in seinem 2. Gedankengang beschrieben hat, macht den Erfolg z.B. sozialer Netzwerke aus. Das Netz ist ein Massenmedium, die Massen gestalten es ganz anders mit, als man sich das 2000 dachte. Fragt mal im entfernten Verwandtenkreis, wie eigentlich die Texte in der Wikipedia entstehen.

Frage für Kommentare: Taugt das Format etwas? Sollen mehr drei kluge Gedanken hierher?

(Foto: Public Domain aus den Flickr Commons)